Der Plan war gut: Um zu verhindern, dass sich die Studenten bei der Vergabe der Hauptseminararbeiten ungerecht behandelt fühlen sollte eine gerechtes Einschreibeverfahren her. Ungerecht sind auf jeden Fall:
- Interneteinschreibung: die schnellste Leitung gewinnt, Campusbewohner mit unschlagbaren 100MBit klar im Vorteil.
- Losverfahren: Pokern für Hauptseminare, manche bekommen sofort alles, andere warten ewig. Hoher Unsicherheitsfaktor.
- Nach Noten: verdammt ungünstig, denn die gibt es noch nicht.
- Eignungsgespräche: eindeutig zu viel Aufwand.
Somit ersonn man den Plan, der ökonomisch besser fundiert schien als die anderen Pläne. Einen Plan, der es ermöglichen sollte diejenigen, die das Hauptseminar am meisten begehren, zum Zuge kommen zu lassen. Da kann man sich doch glatt in der Ökonomie einer vorgefertigte Lösung bedienen: Dem Markt. Der Handel mit Hauptseminaren ist zwar noch nicht ausgebrochen, aber ein anderes Prinzip konnte man sich abschauen. Auf ökonomisch Produktionsmitteleinsatz nach der produktivsten Verwendung, auf deutsch wer am meisten bezahlt bekommt den Zuschlag. Doch mit was soll bezahlt werden? Mit Zeit. Setzt man einen festen Einschreibetermin an, so werden die Studis, die am meisten dafür zu geben bereit sind, selbstverständlich auch die meiste Zeit opfern um anzustehen. Soweit so gut. Doch das Modell ist eben ein Modell und wie es scheint, bedarf es einiger unrealistischer Annahmen:
- keine Putzfrauen die manchmal die Türen aufschließen [nichts gegen Putzfrauen, aber sie machen das Modell kaputt
]
- keine Minusgrade, denn dann heißt die Formel: Wer die dicksten Hosen hat gewinnt
- keine Hintereingänge die vielleicht – oder vielleicht auch nicht – mal offen mal geschlossen sind
- viel Cappuccino für die wartenden Studis
- das Übliche …
Im Praxistest des Studiengangs MW02 hat das Modell noch … ähm … einiges Verbesserungspotential offenbart. Denn es war leider nicht so dass diejenigen, die am längsten gewartet haben, auch die besseren Warteplätze bekamen. Je nachdem, welche Tür nun offen war, und wen man kannte, der dieses gut gehütete Geheimnis verriet, variierte der Zonkfaktor erheblich.
Funktioniert etwas in der Ökonomie nicht so wie es soll, dann ist es immer gut, erstmal von Marktversagen zu sprechen. “Marktversagen!” Die Idee war gar nicht so schlecht, wohl die beste der besch******* Alternativen, aber so richtig hat das wohl nicht funktioniert. Wer meckert sollte auch Alternativen bereit haben, nicht wahr? Wie wäre es wenn man nicht das Modell verändert, sondern die Rahmenbedingungen? Vielleicht durch Doppelvergabe der Themen?
Wir werden sehen….
PS: Nein ich bin nicht enttäuscht worden, denn ich hatte mir gar nicht angestellt.