Rote Karte!
Am Mittwoch fand in Ilmenau die erste studentische Vollversammlung (seit) 5 Jahren an der TU statt. Es ging um den neuen Entwurf des Thüringer Hochschulgesetztes, der demnächst im thüringer Landtag verlesen werden soll. Nach der Erläuterung der Änderungen durch den StuRa war im übervollen Audimax (siehe) nur einheitliches Kopfschütteln zu beobachten. Noch ist mir nicht ganz klar wo die Beweggründe liegen, einen solchen Entwurf zu konstruieren. Alles in allem läuft es darauf hinaus dass sich ein sogenannter Präsident zukünftig für alle wesentlichen Entscheidungen der Uni verantwortlich zeichnen soll. Die Mitbestimmung von Professoren, Mitarbeitern und Studenten würde demnach drastisch eingeschränkt, um nicht zu sagen auf Mitreden beschränkt. Dekane, Studiengebühren, Abschaffung von Studiengängen – alles liegt in der Hand des Präsidenten.
Dieser Entwuf ist wohl der Versuch, der Universität eine unternehmensähnlichere Struktur zu verleihen. Doch bei soviel Machtkonzentration, wie sie in diesem Entwurf dem Präsidenten zugesprochen wird, kann man sich wohl hier höchstens an der Zentralwirtschaft orientiert haben, nicht aber an der Marktwirtschaft. Aber von solch enormer Machtfülle dürften selbst die Aldi-Brüder in ihren GmbHs träumen…Die Aufgabe der Professoren würde dann auf reine Forschungstätigkeiten beschränkt werden, eine Universitätskultur, mag man von ihr halten was man will, würde auf diesem Wege auf die Vermittlung von Stoff reduziert werden. Und Stoff, vor allem solcher, von dem man nicht weiß für was er gut sein soll, haben wir wahrlich genug.
Volles Haus im AudiMax: über 1300 Studis
kamen zur Infoveranstaltung..
Diese im Gesetzesentwurf eingeschlagene Richtung würde aber auch dazu führen, dass die Wissenschaft sich auf die Wissenschaft konzentrieren kann. Und die Verwaltung wäre die Verwaltung. Eine harte, aber klare Trennung. Eine Trennung die den bürokratischen Wust und dem immer wieder aufschimmernden Geplänkel einiger eigentlich sehr intelligenter Menschen Einhalt gebieten könnte. So wird’s gemacht und nicht anders sagt der Präsident!
Die entscheidende Frage wird wohl sein, ob man eine solche Trennung und vor allem einen solchen Bruch mit dem bisherigen universitären Usus herbeiführen möchte. Und vor allem sollte man für soziale Absicherungsmodelle sorgen, wenn man schon eine einzelne Person mit der Macht ausstattet, Studiengebühren in beliebiger Höhe zu erheben!
So voll ist er selten der AudiMax.
Das im Informationszeitalter Bildung nicht mehr einfach so verschenkt werden kann. halte ich für vollkommen richtig. Bildung, und damit auch ihr Kernelement Information. ist zum wichtigsten “Rohstoff” der Marktwirtschaft geworden. Und knappe Rohstoffe verschenkt man nicht nach belieben! Gesunder Menschenverstand und dier Blick für das Ganze sowie ein bisschen Vernunft sollte man aber dafür nicht über Bord werfen. Doch einem Modell wie diesem, dass so offensichtlich und so einseitig so einschneidend wirkt, kann ich nur eine Absage erteilen. Wäre das ein Hauptseminar gewesen, so müsste man wohl sagen: “Sie haben sich nicht tiefgründig genug mit der Thematik befasst. Das genügt keinem noch so geringen wissenschaftlichen Anspruch. Am besten sie brechen ab und suchen sich ein neues Thema, nächstes Semester…”
Und stellen wir uns mal vor, der gute Geroge W. kommt nach Ende seiner Amtsperiode auf die Idee, Präsident er TU Ilmenau zu werden. Da kann ich nur hoffen, bereits ein Diplom in der Tasche zu haben.
weitergehende Infos auf der Seiten des StuRas:
http://www.stura.tu-ilmenau.de/index.php?option=com_content&task=view&id=248&Itemid=89
PS: Wer mich auf dem Bild findet bekommt ein Bier ausgegeben…
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